»Ein feste Burg ...«

Der Namenspatron unserer ev. Kirche ist der Heilige Januarius. Einst Bischof von Benevent in Unteritalien, geriet er in die letzte grausame Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Diokletian (284-305), der den staatstragenden Kult der antiken Götter bedroht sah. Der Legende nach überstand Januarius unverletzt die Marter in einem glühenden Ofen, und wilde Tiere, die man auf ihn gehetzt hatte, lagen zahm zu seinen Füßen. Also wurde er zusammen mit mehreren seiner Gefährten um 304 in Pozzuoli, dem benachbarten Seehafen von Neapel, enthauptet. Als San Gennaro wird er als Stadtheiliger von Neapel verehrt, und man ruft ihn bei Erdbeben und Vulkanausbrüchen als Fürbitter an. Mit ihm verbindet sich eines der so genannten Blutwunder: An seinem Festtag (19. September) scheint sich sein im Dom von Neapel in Ampullen aufbewahrtes trockenes Blut zu verflüssigen, wenn sie in die Nähe seines Hauptes gebracht werden. - Gebeine des Heiligen Januarius kamen 838 aus Benevent ins Kloster auf der Reichenau (Bodensee). Von dort aus brachten 12 Reichenauer Mönche die Verehrung des Januarius ins Kloster Murrhardt, das dann dieses Patrozinium auf seine Kirche in Erdmannhausen übertrug. - Aber seit wann gab es hier eine Kirche?

Nach der Stiftungsurkunde Ludwigs des Frommen von 816 für das Kloster Murrhardt gehörte auch das hier zum erstem Mal erwähnte Erdmannhausen mit Kirche und Hof als Schenkung zur Grundausstattung des Klosters. Seit wann die Kirche existierte, kann man jedoch nicht sagen.

In einem Sprichwort heißt es, dass die Kirche im Dorf bleiben müsse. Unsere Kirche allerdings nicht, denn sie wurde nördlich des eigentlichen Dorfkerns auf einem beherrschenden Hügel erstellt. (Die erste Kirche war wohl nur eine kleine Holzkirche.) In dem Wolvaldschen Vertrag von 972 wird neben Berckenmarehusa, unserem Erdmannhausen, auch das nördlich davon gelegene Husa erwähnt, das später abgegangene Weikershausen (es lag in der Nähe des heutigen Industriegebietes, Bereich Weikershausener Str.). Wollte man durch diese Lage die kirchlichen Bedürfnisse des nahen Weilers berücksichtigen?

Ortsansicht von Andreas Kieser (1686), Hauptstaatsarchiv Stuttgart

An der Januariuskirche fällt sofort der massige, wie ein Bergfried (Hauptturm einer alten Burg) wirkende Turm auf, der anfänglich nur durch eine hochgelegene Pforte mit einer Leiter zugänglich war. Er stammt vermutlich aus dem 13. Jahrhundert und ist der älteste Teil der Kirche. Obgleich sie zum Typ der so genannten Wehrkirchen gehört, bedeutet das für unsere Kirche nicht, dass der Turm der aktiven Verteidigung diente. Während kriegerischer Ereignisse und bei Raubzügen bot er Zuflucht für die Dorfbewohner und war sicherer »Tresor» für wertvolle Dinge und Archivalien; als Glockenturm war er auch »Nachrichten- und Signalstelle«. Das auf der Ortsansicht (1686) von Kieser abgebildete spitze Zeltdach des Turms war Ende des 18. Jahrhunderts so stark beschädigt, dass an eine Reparatur nicht mehr zu denken war.

Ohne den »Dienstweg« einzuhalten, wandte sich die Gemeinde direkt an einen Marbacher Werk- und Zimmermeister, der den Riss für das heutige Dach fertigte. Die »Kommunvorsteher« mussten freilich wegen dieser Eigenmächtigkeit einen obrigkeitlichen Rüffel einstecken. Im Jahre 1801 wurde die »welsche«, d.h. eine eigentlich nicht in unsere Gegend passende, spätbarocke Haube mit abschließender Laterne (Türmchen mit Fenstern auf einer Kuppel) auf den Turm gesetzt.

Der halbachteckige Chor wurde nach dem Turm und sich an diesen anlehnend gebaut.

Da das Taufbecken der Januariuskirche die Jahreszahl 1494 trägt und es vermutlich für die Kirche gestiftet wurde, konnte man annehmen, dass das Kirchenschiff vor dieser Zeit erbaut wurde, nur wusste man nicht, wie lange vorher. Eine Sternstunde für die Kirchenbaugeschichte war es sicherlich, als im Jahre 1994 bei der Umgestaltung des Kirchenvorplatzes zufällig der Grundstein des Kirchenschiffs unter der SW-Ecke entdeckt wurde. In ihn sind ein Kreuz in mittelalterlicher Form und die Jahreszahl 1493 eingemeißelt (die 4 ist als halbe 8 dargestellt).

Quelle: »Erdmannhäuser Geschichte und Geschichten«, Dieter Duill

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